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Jemand ist noch nicht geschluckt und trägt einen Rucksack mit sich herum. Darin befinden sich kostbare Dinge, die die anderen Touristen nicht kennen. Bücher von der so genannten ersten Garde, der Geheimtipp. Verschlucken würden sich daran die meisten. Aber auch der, dem sie am liebsten sind, denn er trägt sie auf den Markt. Dort sucht er Menschen. Die wirklichen, echten, eigentlichen, aber finden tut er nur Tycoone und Leute, die RTL oder so gucken. Also die, die schon prima aufeinander abgestimmt sind. Er aber will eine neue Ordnung. Die kriegt er auch gleich von einem Paar vorgeführt, aber die bringt auch nur die alten Machtspielchen.
Also erst mal ein paar Schritte zurück und schauen, was die Spiegelgeschichten bringen. Der entlarvende Blick auf die Gesellschaft. So genau, wie noch keiner zuvor hingeschaut hat. Ein erster Schritt. Den Leuten die Augen öffnen. Die gehen ja so gern auf Lesungen. Sind bereit. Aber dann kann er, der Eingeweihte, die Klappe nicht halten, und klagt nicht weniger als die Sonne ein. Das ist zu hell für die Lesende. Kommt ganz aus dem Konzept. Pan. Mittag. Die große Stockung. Die Hypnose. Sie aber macht nur eine schlechte Figur, schließlich will sie und muss sie sich auch verkaufen. Auch die Kunst muss sich schlucken lassen. Da tritt er zu ihr, entschuldigt sich, und erzählt von seiner großen Leidenschaft. Nur Narr, kein Dichter. Schlafwandlerische Sicherheit für Hochs und Tiefs. Du musst zu mir kommen. Denn ich habe dich erkannt unter allen Dichtern. Prima Vorführung vom Management in eigener Sache. Die eine Obsession ist. Also auch hier ein Schluckphänomen, nur auf ausgewiesen wertvollem Terrain, auch wenn man das nur so sagt und keine Konsequenzen nach sich zieht.
Aber das Kunst-Wollen ist der Schrecken der Kunst. Ganz unheilig. Wort-Staffage. Dann und wann ein Griff in die literarische Namenskiste. Als Absicherung, dass man doch noch auf der anderen Seite ist. Mit den anderen, von denen man glaubt, dass sie verlustig gegangen sind. Die Schafzucht des pazifistischen Gedankens. Aber auch der heilige Schrecken, durch den die Verlierer der sieben Künste gehen müssen. Letztlich weiß man nicht, was die gute Frau geschrieben hat. Bleibt nur die Verliebtheit des Narren, der mit wirklichen Frauen natürlich nichts anfangen kann. „Etwas ist in dir, was mich nicht gefickt hat.“ Aber das sagt eine andere, die von Tuten und Blasen (davon vielleicht schon) keine Ahnung hat. Kommt etwas in Gang, Eifersucht ins Spiel? Nicht wirklich. Die Schluckgeschichte geht weiter. Der Große frisst den Kleinen und wird von einem noch Größeren geschluckt. Das ist der Lauf der Welt. Hindämmern kann man in den oberen Etagen, aber auch die sind schon abgefackelt, wie es der Plan vorsieht. Und das ruhelose Ohr der Kunst zieht immer weiter, weil es nicht aufhören kann, zu erfahren, was die Leute so umtreibt. Die menschliche Komödie, nichts weiter. Wahre Kunst kommt nicht an, auch in der Kunst nicht. Immer schon auf- und ausgestoßen. Sie hat ihre stille Sekunde, und dann geht es weiter. Es wäre auch nicht zum Aushalten. Sie muss ausgetrieben werden, wie der Schluckauf. Durch den panischen Schrecken. Aber den erfährt der Zuschauer nicht. Nach zwei Stunden hat die Zeit ein Einsehen. Programmwechsel.

Dieter Wenk
12.4.02 Botho Strauss, Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia
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