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Zum Portrait Jacques Lacans in Philippe Sollers’ Roman Femmes

Ich beginne mit einer einfachen Einschätzung. Sie alle sind bereits im Bilde. Im Portrait. In Ihrem Portrait. Und sei es nur eine Skizze. Ich spreche von Jacques Lacan. Aber wer ist Philippe Sollers? Der Name Sollers ist jedenfalls kein Name einer Polstermarke‑ ich komme darauf gleich zurück.

Ich werde Ihnen zunächst einige Daten und Namen zum Schriftsteller Philippe Sollers an die Hand geben, und werde Ihnen dann ein, zwei Passagen aus Michel Houellebecqs Roman Les particules élémentaires (Die Elementarteilchen) aus dem Jahr 1998 vorlesen (in meiner Übersetzung, der Roman erscheint in deutscher Übersetzung ‑ nicht in meiner ‑ im Herbst bei Dumont), Sollers wird an diesen Stellen als Verleger portraitiert, und da auch Femmes erwähnt wird und mir überhaupt die Perspektive gefällt, in die Sollers  gestellt wird, möchte ich diese Passagen als Einstieg meines Vortrags wählen.

Zunächst also ein Kleiner biographischer Abriß [nach Philippe Forest]

1936 in Bordeaux als Philippe Joyaux geboren.

1957 erste Veröffentlichung, die Erzählung Le Défi (Die Herausforderung), unter dem Pseudonym Sollers, da er noch minderjährig ist; erhält 1958 den Prix Fénéon für Le Défi.

1958 erste Romanveröffentlichung mit Une curieuse solitude, das ist ein kleiner, klassisch geschriebener psychologischer Roman, sehr gelobt von der Kritik, von Aragon bis Mauriac.

1960 Mitgründer und Mitherausgeber der Zeitschrift Tel Quel, Gründungsmitglieder u.a. Jean-Edern Hallier und Jean Thibaudeau, weitere Mitarbeiter im Laufe des 22jährigen Bestehens: u.a. Marcelin Pleynet, Julia Kristeva, Denis Roche, Jean Ricardou. Im Laufe seines Bestehens begleitet und verstärkt Tel Quel alle möglichen literarischen, philosophischen und intellektuellen Strömungen und Moden: u.a. den Nouveau Roman, den Strukturalismus, es kommt zu kommunistischen Ausrichtungen, zunächst Techtelmechtel mit der KP, dann maoistische Tendenz...

1961 erhält er für den Roman Le Parc den prix Médicis; trägt deutliche Züge des Nouveau roman, Bruch mit Robbe-Grillet weinige Jahre später.

1965 Bekanntschaft mit Jacques Lacan. Philippe Forest: „Es folgt eine Beziehung der Hochachtung und gegenseitigen Verführung.“[1] Ich möchte Ihnen dazu eine Stelle aus Lacans Seminar Buch XX, Encore, zitieren, Lacan ist mal wieder ein wenig unzufrieden mit seinem faulen Publikum und er sagt: „Sie müssen sich schon daran machen, ein wenig Autoren zu lesen - ich sage nicht zeitgenössische, ich sage Ihnen nicht, Philippe Sollers zu lesen, er ist unlesbar, wie ich übrigens - aber Sie können Joyce z.B. lesen.“[2] (Und zwar Finnegan’s Wake! Sitzung vom 9.1.1973.) Sollers besucht Lacans Seminare bis 1980.

1966 lernt er seine spätere Frau, Julia Kristeva, kennen (Les Samouraïs, 1990, ich komme darauf zurück).

1973 Veröffentlichung von H, sein erstes Buch ohne Interpunktion, worauf 1981 der erste Band von Paradis folgt, 1986 der zweite, „Work in Progress“.

1974 Reise nach China (Kristeva, Roland Barthes, Marcelin Pleynet, François Wahl, wichtiger Verleger bei Seuil, besuchte zwischen 1954-60 die Rue de Lille, war also Patient Lacans, Anreger einer Sammlung von Texten Lacans, die 1966 unter Wahls Lektorat unter dem Titel Ecrits erschienen). Lacan wollte ursprünglich mitreisen, aber er ließ ab. In einem Brief an Maria-Antonietta Macciocchi (Buch: De la Chine), Vermittlerin zwischen der chinesischen Seite und den TelQuelisten, Barthes und Wahl, schreibt Lacan: „Werte, in Ihrer Begleitung wäre ich begeistert aufgebrochen. Dabei sind wir aber eine richtige Karawane. Und wer ist der Chef der Karawane für Ihre Chinesen? Sollers vielleicht? Eben, Herr Sollers ist sehr viel berühmter als ich in der Welt...“[3]

1975 systematische Lektüre der Bibel und von Klassikern der Theologie.

1982 wechselt Sollers den Verlag, von Seuil zu Gallimard. Ende von Tel Quel, an dessen Stelle L’Infini tritt.

1983 Femmes, literarisches Ereignis, löst Skandal aus. Steht auf der Liste der Bestseller.[4]

Es folgen weitere Romane und Essaysammlungen, u.a. die Romane Portrait du joueur, Le coeur absolu, La Fête à Venise, die Essaysammlungen Théorie des Exceptions, Improvisations, La Guerre du Goût.

1991 zeitgleich mit Milan Kundera Eintritt ins Lektorat von Gallimards.

1991 amerikanische Übersetzung von Femmes.

Schreibt für Le Monde. Seine Präsenz in den Medien scheint unüberseh- und unüberhörbar zu sein.

Ich komme nun zum zweiten Teil meiner Einleitung, der Lektüre der Portraitierung Sollers’ in Houellebecqs Roman. Im Zentrum dieses Romans, in dem es u.a. um die Zukunft der Sexualität geht, stehen zwei Brüder, Michel und Bruno, wobei letzterer literarischen Ambitionen nachgeht und sich auf die Suche nach einem Verlag macht.

Bruno ist im Gespräch mit einem Lehrer-Kollegen, Fajardie, wegen seines Manuskripts:

„Fajardie war angenehm überrascht. „Ein Einfluß von Claudel... oder vielleicht eher von Péguy, der Péguy der freien Rhythmen... Aber es ist mit Recht originell, auf so etwas stößt man nicht mehr häufig“. Über die zu ergreifenden Maßnahmen gab es keinen Zweifel: „L’Infini. Dort entsteht die heutige Literatur. Man muß Ihre Texte zu Sollers schicken.“ Ein wenig überrascht, ließ Bruno sich den Namen wiederholen ‑ bemerkte, daß er ihn mit einer Polstermarke verwechselte, dann schickte er seine Texte. Drei Wochen später rief er bei Denoël an; zu seiner großen Überraschung antwortete ihm Sollers, schlug ein Treffen vor. Mitwochs gab er [Bruno] keinen Unterricht, es war leicht, an einem Tag hin und zurück zu fahren. Im Zug versuchte er, sich in Eine seltsame Einsamkeit [Sollers’ Une curieuse solitude] zu versenken, gab ziemlich schnell auf, trotzdem gelang es ihm, ein paar Seiten in Femmes [Frauen] zu lesen ‑ vor allem die Bumsszenen. Sie hatten sich in einem Café in der Rue de l’Université verabredet. Der Verleger kam mit zehn Minuten Verspätung, schwang die Zigarettenspitze, die ihn berühmt machen sollte. „Sie sind in der Provinz? Schlecht, sowas. Sie müssen sofort nach Paris kommen. Sie haben Talent.“ Er kündigte Bruno an, daß er den Text über Johannes Paul II. in der nächsten Ausgabe von L’Infini veröffentlichen würde. Bruno war sprachlos; er wußte nicht, daß sich Sollers gerade völlig in einer Phase „katholischer Gegen-Reform“ befand und enthusiastische Erklärungen zugunsten des Papstes vermehrte. „Péguy, da springt ein Funken über!“ sagte der Verleger mit Elan. „Und Sade! Sade! Lesen Sie vor allem Sade!“...

„Mein Text über die Familie...“

„Ja, auch sehr gut. Sie sind reaktionär, das ist gut. Alle großen Schriftsteller sind reaktionär. Balzac, Flaubert, Baudelaire, Dostojewski: was für Reaktionäre. Aber man muß auch ficken, nicht? Machen Sie Gruppensex. Das ist wichtig.“

Nach fünf Minuten verließ Sollers Bruno, indem er ihn in einem Zustand leichter narzißtischer Trunkenheit zurückließ. Er beruhigte sich nach und nach im Laufe der Rückfahrt. Philippe Sollers schien ein bekannter Schriftsteller zu sein; gleichwohl, die Lektüre von Femmes stellte es klar, gelang es ihm bloß, alte Hurenschlampen abzubekommen, die dem kulturellen Milieu angehörten; die Jüngeren bevorzugten offensichtlich Musiker. Warum sollte man unter diesen Bedingungen saudumme Gedichte in einer beschissenen Zeitschrift veröffentlichen?“[5]

Eine weitere Begegnung mit Sollers wird folgendermaßen geschildert. Nach einer kleinen Szene Brunos mit einem „Neger“ in der Schule, die mit einer narzißtischen Niederlage Brunos endete, heißt es über Bruno: „Das Wochenende habe ich damit verbracht, ein rassistisches Pamphlet zu verfassen, im Zustand einer fast vollständigen Dauererektion; am Montag habe ich mit L’Infini telephoniert. Diesmal hat mich Sollers in seinem Büro empfangen. Er war ausgelassen, maliziös, wie im Fernsehen ‑ sogar besser als im Fernsehen. „Sie sind echt rassistisch, das spürt man, das steht Ihnen, das ist gut. Bumm bumm!“ Er machte eine kleine sehr graziöse Handbewegung, nahm eine Seite heraus, er hatte am Rand einen Abschnitt unterstrichen. „Wir beneiden und wir bewundern die Neger, weil wir nach ihrem Beispiel wieder zu Tieren werden wollen, Tieren, die mit einer großen Rute und einem ganz kleinen Reptilgehirn ausgestattet sind, ein Anhang ihrer Rute.“ Er schüttelte das Blatt mit Heiterkeit. „Das ist stark, schmissig, sehr elegant. Sie haben Talent. Manchmal Leichtfertigkeiten, den Untertitel mag ich weniger: Man wird nicht als Rassist geboren, man wird es. Die Ver-Wendung, der zweite Grad, das ist immer ein wenig... Hmm...“ Sein Blick verdüsterte sich, aber er machte wieder eine Pirouette mit seiner Zigarettenspitze, er lächelte erneut. Ein richtiger Clown ‑ überaus sanft. „Dazu nicht zuviele Einflüsse, nichts Überwältigendes. Sie sind beispielsweise nicht Antisemit!“ Er nahm sich einen anderen Abschnitt vor. „Einzig die Juden entkommen dem Bedauern, keine Neger zu sein, denn sie haben schon seit langem den Weg der Intelligenz, der Schuld und der Schande gewählt. Nichts in der abendländischen Kultur kann dem gleichkommen oder sich nähern, was den Juden gelungen ist zu erreichen im Anschluß an die Schuld und die Schande; aus diesem Grund hassen die Neger sie ganz besonders.“ Mit einer ganz glücklichen Miene lehnte er sich in seinen Sitz zurück, faltete die Hände hinter seinem Kopf; einen Augenblick glaubte ich, er würde seine Beine auf den Schreibtisch legen, aber nein. Er beugte sich wieder nach vorne, er konnte nicht stillsitzen.

„Nun? Was machen wir?“

„Ich weiß nicht, Sie könnten meinen Text veröffentlichen.“

„Eieiei!“, er lachte laut auf, als ob ich einen guten Witz gemacht hätte. „Eine Veröffentlichung in L’Infini? „Aber, guter Mann, Sie sind sich nicht im klaren... Wissen Sie, wir sind nicht mehr in der Zeit von Céline. Man schreibt heute über bestimmte Dinge nicht mehr das, was man will... ein solcher Text könnte mir wirklich Ärger einbringen. Glauben Sie, daß ich nicht schon genug Ärger habe? Weil ich bei Gallimard bin, glauben Sie, daß ich machen kann, was ich will? Man überwacht mich, wissen Sie. Man paßt den Fehltritt ab. Nein, nein, das wird schwierig. Was haben Sie sonst noch?“

Er schien richtig überrascht zu sein, daß ich keinen anderen Text mitgebracht hatte. Mir jedenfalls tat es leid, ihn zu enttäuschen, ich wäre lieber sein guter Mann gewesen, hätte es gern gehabt, wenn er mich zum Tanzen mitgenommen, mir Whiskey im Port Royal angeboten hätte. Als ich hinausging, hatte ich auf dem Bürgersteig einen Moment extrem lebhafter Verzweiflung...“[6]

Soviel zum Sollers’ der Neunziger, ich drehe jetzt das Rad der Geschichte um etwa 20 Jahre zurück.

Das einzige, was es erlaubt, von Schlüsselromanen zu sprechen, ist das Aha-Erlebnis des Lesers, und das heißt nichts anderes, als daß der Eingeweihte nichts anderes tut, als offene Türen einzurennen; die anderen, Nicht-Initiierten, müssen leider draußen vor der Türe bleiben. Und zwar so lange, bis die Schlüssel nachgemacht sind. Und doch bleibt natürlich die Frage nach dem, was man sieht, wenn die Schlösser geknackt sind. Einblicke, Durchblicke, Überblicke oder auch Zerrblicke? Die Debatten können anfangen, die Kontroversen sind vorprogrammiert.

Der Roman Femmes von Philippe Sollers, 1983 erschienen, ist auch ein Schlüsselroman. Auch wenn einige Personen der wirklichen Wirklichkeit ganz unverschlüsselt beim Namen genannt werden, wie etwa Sartre, Beauvoir, Marquez oder Heidegger. Das hat seinen Grund vermutlich darin, daß diese Personen im Roman lediglich besprochen werden, sie also nicht als agierende und sprechende Romanfiguren in Erscheinung treten. Im Unterschied zu fiktiven Namen wie Fals, Werth, Lutz, Deborah, die als Romanfiguren für den eingeweihten Leser zugleich auf eine Welt vor dem Roman verweisen, in diesem Fall auf das Paris der 70er Jahre. Jeder Leser, der einmal mit Strukturalismus und Poststrukturalismus zu tun bekommen hat, wird wahrscheinlich ohne viel Mühe in Jean Werth den werten Roland Barthes erkennen, in Laurent Lutz den Philosophen Althusser, in Robert Michel Foucault, in Deborah Julia Kristeva und in Paul Fals - nun, das ist eben Jacques Lacan, dessen Roman-Portrait ja hier nachgezeichnet werden soll. Der Autor selber, Sollers, wenn es denn stimmt, daß der Roman als Beispiel einer autofiction gelten kann, was ich glaube, Sollers selber also figuriert gedoppelt oder gespalten, was auf das gleiche hinausläuft: einerseits hält er sich als im Roman verfemter Autor S. im Hintergrund, andererseits bekommt die Erzählerfigur Will, ein amerikanischer Journalist, all die Qualitäten und Beziehungen zugeschrieben, die der Leser im Hinterstübchen, also nachdem er den Schlüssel benutzt hat, natürlich mit Sollers selbst in Verbindung bringt, womit noch nichts über die Wahrheit dieser Qualitäten und Beziehungen gesagt ist. Ganz konventionell gibt es hier also einen leicht durchschaubaren Vertrag, wonach eine Figur, Will, einen Roman schreibt, Femmes, der einer anderen Figur, S., zur Überarbeitung vorgelegt wird, die diesen Roman dann signieren wird.

Aber bleiben wir noch einen Moment bei den Namen. Der Name Sollers selbst ist ein Pseudonym. Ich möchte Ihnen dazu eine Passage aus Sollers’ Roman Portrait des Spielers vorlesen, in der er einmal mehr seine Absicht bekundet, sein Schreiben namensmythologisch zu beglaubigen. Es heißt dort: „Ich sehe mich wieder, wie ich eines Abends, zurück aus dem Gymnasium, über meinem Latein-Wörterbuch sitze und die verschiedenen Bedeutungen des Wortes sollers studiere. Es kommt von sollus (mit zwei l!) und ars . „Gänzlich Kunst“. Sollus hat dieselbe Wurzel wie das griechische holos, das bedeutet: „völlig, restlos.“ Daher das Hologramm. Holocaust. Vollkommen der Kunst gewidmet. Verbrennung! Opfer! Heiligkeit! Aber sollers heißt auch: einsichtig, geschickt, praktisch, tüchtig, klug, das Gebiet, das für die Produktion am besten geeignet ist...“ „Lyrae sollers“ (Horaz): „kundig des Saitenspiels.“ „Sollers subtilisque descriptio partium“ (Cicero): Geschickte und feinsinnige Verteilung der Körperteile.“ Sollers, sollertis... sollertia... Da haben wir also einen ziemlich verdächtigen Namen, nicht wahr?, unmoralisch wie der Teufel!... Eine aktuelle Definition? Mal sehen... „Der Sollers besteht aus reiner Technik: bei seiner Verbrennung in der Kunst hinterläßt er keinerlei Reststoffe.“[7]

Auf die Frage, woher in dem Roman Femmes denn der Name Fals komme, antwortete Sollers in einem Gespräch mit Frans De Haes: „Aus dem Lateinischen. Aus dem Deutschen. Die Namen der männlichen Personen sind alle Namen mit deutschem Anklang.“[8] Da gibt es z.B. einen Boris Fafner (Wagner läßt grüßen), viel spricht dafür, in Boris den Tel Quel-Mitgründer Jean-Edern Hallier zu sehen, da gibt es die schon erwähnten Laurent Lutz und Jean Werth (das ist wie gesagt Roland Barthes, die doppelte Anspielung, also Vor- und Nachname, bezieht sich zum einen auf Goethes Roman Werther, auf den Barthes in seinem Buch Fragmente eines Diskurses der Liebe immer wieder eingeht, und, durch den Vornamen Jean, auf den ersten der Vornamen Goethes), dann taucht hin und wieder ein Andreas auf, der im Roman keinen Nachnamen hat und dessen reales Gegenstück aller Wahrscheinlichkeit nach der Kommunist Nikos Poulantzas ist; der Vorname Andreas verweist möglicherweise auf Andreas Baader (beide endeten durch Selbstmord). Eine Vermutung ist ebenfalls, warum sich Sollers deutscher oder deutsch klingender Namen bedient. Die männlichen Portraits des Romans sind nie beißend oder verunglimpfend, andererseits zeigen sie nicht unbedingt die portraitierten Figuren auf dem Gipfel des Ruhms, Roland Barthes etwa lernt der Leser vor allem als Patienten kennen, allerdings weniger auf Lacans Couch, die er ja kurzfristig aufgesucht hat, als auf seinem Sterbebett. Liest man den einen oder anderen Essay von Sollers, wo er über deutsche Mentalität oder deutsche Autoren spricht, kann man nicht anders, als bei dem Franzosen eine merklich spürbare Reserviertheit festzustellen: der langsame, unelegante Norden ausgespielt gegen den lebensbejahenden und frischen mediterranen Süden. Sogar Goethe scheint er nicht zu mögen: In Femmes heißt der preisverdächtige Titel des karikierten Erfolgsautors Boris Fafner schlicht L’éternel féminin (Das ewig Weibliche).[9]

Paul Fals alias Jacques Lacan: Zur Motivierung des Vornamens Paul denke ich, ist es nicht zuviel interpretiert, die bi-polare Blase Freud-Lacan christologisch auf den Verkünder des Evangeliums und seinen fleißigsten Promoter als Modell zu beziehen. Übrigens heißt es in der Apostelgeschichte (14, 12) von Paulus, daß man ihn in der Ortschaft Lystra auch Hermes nannte, den Wortführer, im weiteren Sinne den Götterboten. „Unterautor ist ein analytischer Ausdruck für das, was üblicherweise ein Apostel heißt: denn Apostel ist, wer als Vertreter des absoluten Autors spricht oder schreibt.“[10] Die Wahl des Namens Fals ist nun insofern besonders raffiniert, weil eine der möglichen Definitionen von „Pseudonym“, auf die Sollers selber aufmerksam macht, nämlich: „Der einen falschen Namen trägt“[11], ja genau in diesen Namen eingetragen ist: Fals, falsch, faux, falsus. Wenn Sie nun glauben, daß die Wahl dieses Namens eine vernichtende Abrechnung mit Lacan ankündigt, die der Roman durchführt, dann liegen Sie falsch. Man muß nur ein paar Übersetzungen des Wortes falsus sich anschauen, z.B. <erdichtet>, oder auch <untergeschoben>, um eine Ahnung von dem zu bekommen, wohin die Deutungsreise geht; sie geht mitten hinein in die Psychoanalyse. Und man wird bei Lacan selbst fündig. In seiner Radiophonie aus dem Jahr 1970 stellt Lacan ein paar etymologische Betrachtungen an im Umkreis der lateinischen Worte <falsus> und <fallere> in Hinblick auf die französischen Worte <faux> (falsch), <faut> wie bei <il faut> (man muß) und <falloir> (brauchen, fehlen) sowie <faillir> (versagen). <Falsus> wird in dieser Betrachtung seiner einfachen Opposition zu „wahr“ enthoben und eingebunden in einen Prozeß, der mit Symptomen zu arbeiten weiß und kein anderer ist als der analytische Prozeß selbst. Lacan sagt dort: „Vergessen wir nicht, daß das Symptom dieses falsus ist, das der Anlaß (la cause) ist, auf den sich die Analyse stützt im Prozeß der Untersuchung, der ihr Sein ausmacht.“[12] Fals also als Symptom, das unterschwellig die Wahrheit sagt? Sollers motiviert diese Namenswahl u.a. folgendermaßen: „Der Name Fals scheint mir besonders angebracht zu sein im Verhältnis zu einem Diskurs, der nicht aufgehört hat, von sich selbst zu sagen <ich, die Wahrheit, ich spreche>..., aber der schließlich, am Ende, feierlich das perseverare diabolicum [die Sache des Teufels fortsetzen] bekräftigt hat...“[13]

Femmes als Teufelsaustreibung? Wenn ja, in welchen Masken erschiene der Teufel? Schauen wir uns aber zunächst einfach mal ein paar Textstellen an, die aus Lacan eine Fals-ifikation machen und umgekehrt aus Fals einen Lacanismus und die dem unterrichteten Leser den Ausruf entlocken mögen: ja, aber das ist ja der Lacan.

Der Roman ist in neun Kapitel aufgeteilt. Fals nun gehört zu den Romanfiguren, wie etwa Werth und Lutz, die zwar relativ früh eingeführt, aber im Lauf des Textes fallengelassen werden; wenn sie später noch einmal erwähnt werden, dann nur als Rekurs auf ihr Portrait, das vor allem im zweiten Kapitel des Romans gezeichnet wird. Das heißt aber nicht, daß die genannten Figuren für die Intrige des Romans nicht mehr wichtig wären. Es gibt vielmehr keine Intrige, und die Motivierung der Portraitierung dieser Figuren hat kein anderes Ziel als diese Portraits selbst ‑ womit man wieder beim Sollers’schen Verbrennungsofen ist. Beginnen wir nun damit, den bislang nur behaupteten Schlüssel für Lacan zu testen. In einem der Gespräche mit dem Erzähler sagt Fals: „Mein Lieber, einzig die Wahrheit ist mir wichtig.“ Was der Erzähler beglaubigen kann, denn er sagt über Fals: „Er liebte diesen Satz eines Philosophen: <Ich sage immer die Wahrheit. Nicht die ganze, weil sie ganz zu sagen man nicht schafft... Die Wörter fehlen dabei. Es ist sogar wegen dieser Unmöglichkeit, daß die Wahrheit ans Reale grenzt.>“ (102) Wer Ohren hat zu hören, wird allerdings diesen „Satz eines Philosophen“ keinem anderen zuschreiben als Lacan selber, handelt es sich bei dem Zitat doch um den leicht gekürzten Anfang von Lacans Télévision aus dem Jahr 1974. Und was macht der Erzähler damit? Er greift diese Ouvertüre auf, bis in die Wortwahl, verschiebt aber den Schwerpunkt und formuliert gegenüber und gegen Fals seinen eigenen Anspruch, den eines Romanciers: „Der Roman, und er allein, sagt die Wahrheit... Die ganze Wahrheit... Anderes als die Wahrheit, und dennoch nichts anderes als die Wahrheit... Die Wörter fehlen ihm nicht... Im Gegenteil... Deshalb zieht man es vor, ihn für irreal zu halten, während er doch das Reale selbst ist... Das Nervensystem der Wirklichkeiten... Übrigens, wie jemand gesagt hat, den sie gut kennen: <Die Wahrheit hat die Struktur von Fiktion>...“ (102) Gut gebrüllt, Löwe, möchte man da dem Erzähler zurufen, der es gewagt hat und dem es gelungen ist, einen Satz seines Gegenübers so zu verwenden, daß er ihn gegen ihn selbst richten konnte.

Fals und Lacan, Fiktion und Wirklichkeit: die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ein weiteres Beispiel für den Rückgriff von Fiktion auf Wirklichkeit kann man im dritten Kapitel nachlesen. Die Rede ist vom „Geschlechterverhältnis“, von dem Lacan immer wieder behauptet hat, daß es das nicht gebe. Auch in dem folgenden Zitat kommt es zu einer eigenwilligen Verwendung eines Lacanismus durch den Erzähler, indem Will eine eigene Interpretation anbietet: „<Zwischen Mann und Frau läuft es nicht>, wiederholte unentwegt Fals... Es war der Eckstein seiner Doktrin; er hörte nicht auf, ihn zu verkünden... Vermutlich wünschte er, daß niemand mehr ein ursprüngliches Zittern nach ihm empfände; Konfiszierung der Lust, Beweis, daß sie zu nichts führe... Aber wer hat jemals behauptet, daß es gemacht sei, um zu „laufen“? Das Interessante ist, daß es von Zeit zu Zeit fliegen kann... Vor dem Sturz... Und übrigens, wenn es einmal richtig geflogen ist, läuft es dann auch immer ein wenig... Es sei denn, man erreicht die haßerfüllte Fixierung... Aber auch das kann man vermeiden... Meiner Meinung nach war Fals nicht genügend geschwebt... Er war krank davon, glaube ich... Keine Frau war wegen seines Körperbaus aus dem Häuschen? Das ist wahrscheinlich... Nicht wirklich... Nicht rasend... Nicht genügend, um ihm die Tatsache gleichgültig erscheinen zu lassen, daß es „läuft“ oder nicht, im Anschluß... Von daher seine Berufung, der Parasit des Lebens anderer zu sein... Eine große Berufung... Sich einschleichen, sich einmischen, sich quer legen, herausfinden, wo der Mißklang ist, sich dort einrichten, drücken, kreuzen, beschweren... Ich denke zurück an die Art, wie Fals sich bei uns aufhielt... Sein insistierender Blick auf Deb über den Rand seiner Brille... Armes Arschloch... Es war anstrengend, das ist alles... Man mußte höflich bleiben... Warum übrigens höflich bleiben, fragt man sich?“ (217f.).

Und auch in einem dritten Beispiel kann gezeigt werden, wie der Erzähler sich spielerisch eines lakonischen Lacanismus bedient, um ihn situativ umzudrehen. Flora, die hier portraitiert wird, ist eine spanische Anarchistin und gehört mit einigen anderen Frauenfiguren des Romans auf die negative Seite des manichäisch anmutenden Frauenprofils, das der Roman entwirft: hier die „guten“, die genießenden, hübschen, die dem Erzähler willfahrenden, was auch umgekehrt gilt - und auf der anderen Seite die „bösen“, häßlichen, jedenfalls männerverachtenden, radikal emanzipatorischen Frauen, die versuchen, Will für ihre Belange einzuspannen, um für die Sache der Frauen, besser gesagt: für die Sache der Frau im Singular, zu kämpfen. Das Portrait, das von Flora an dieser Stelle entworfen wird, läßt als Interpretationsfolie Lacans Diskurs des Hysterikers durchscheinen, wie er ihn etwa im Seminar Buch XVII zum Thema gemacht hat. Von Flora heißt es also: „Der leidenschaftliche, naive, entzückte Geschmack Floras an der Macht hat mich immer fasziniert... Weil sie wollte, sie immer will, daß Die Macht wahr sei, sie es jedenfalls sein sollte... Deshalb befindet sie sich immer mehr oder weniger in der Opposition... Das macht ihre Qualität aus... Sie könnte nicht umhin, dem Absoluten Monarchen des Universums gegenüber eine ironische oder kritische Bemerkung zu machen... Und nur deshalb, um ihn fühlen zu lassen, daß in Wirklichkeit er mehr oder weniger ihren Platz okkupiert... Einen Platz, den sie überdies gar nicht einnehmen will... „Was will die Hysterikerin?“, hat Fals eines Tages gesagt. „Einen Herren, über den sie herrscht.“ Profunder Satz. Ich habe ihn beeindruckt Lutz vorgetragen. Aber Flora, das ist Hysterie ohne Hysterie, das Natürliche in vollem Licht, die Sache selbst...“ (119).

Es sei daran erinnert, daß der Titel von Sollers’ Roman schlicht Frauen heißt, ohne Artikel, bestimmt oder unbestimmt. Auch diesen Titel könnte man noch als Entsprechung von Lacans apodiktischer Rede auffassen, nach der „Die Frau nicht existiert“, „La Femme n’existe pas“. Und was existiert? Ziemlich in der Mitte des Romans packt der Erzähler aus und faßt sein Ziel ins Auge: „ich schreibe hier eine Apologie von Frauen, selbstverständlich... [Des unes-femmes]... Sollte sich das mal ereignen... Herausgenommen aus der Kette... Keine Frauen <an sich>: Frauenereignisse... Genauso selten wie das phallische Funkeln selbst, quergerichtet, flüchtig...“ (299) Man könnte an dieser Stelle ein wenig Theorie einstreuen. Man könnte z.B. versuchen ‑ stellvertretend für viele andere Romanstellen ‑ zwei fundamentale Kategorien Lacans zum Greifen zu bringen: Das Symbolische und das Reale. Es heißt ja in bezug auf Frauen: „Herausgenommen aus der Kette“ („Sorties de la chaîne“) ‑ und es ließe sich bequem ergänzen: chaîne symbolique (aus der symbolischen Kette), womit auch immer das Gesetz (ödipal oder nicht) oder diskursive Ordnung gemeint ist. Die vermeinte Lobrede des Erzählers auf Frauen hat natürlich nicht das Symbolische der Frau im Sinn, genauer: nicht die Frau an sich, oder Die Frau, sondern das Reale, was hier umschrieben wird, umschrieben werden muß, mit „Frauenereignisse“, „Frauenmomente“, „Frauen-Werden“, oder eben mittels einer grammatikalischen Lizenz durch den Ausdruck „Des unes-femmes“, womit der Erzähler zu lesen gibt, daß das Reale nicht aufhört, sich nicht zu schreiben. Und doch schreibt es sich in seiner Nicht-Schreibbarkeit, denn der Roman ist doch „das Reale selbst“, wie es in einem früheren Zitat hieß. Der Erzähler gibt allerdings an dieser Stelle zu: „Das ist wahrhaftig schwer zu erklären... Es ist besser, das zu inszenieren...“ (299) (Diese Inszenierungen sind übrigens die Bumsszenen, von denen Houellebecq sprach.) Die Romanfiguren Cyd und Ysia beispielsweise repräsentieren solche Frauenereignisse, die allesamt erotischer Natur sind, ihre Namen tuen nichts zur Sache, „deutsche Anklänge“ werden in diesem Zusammmenhang nicht gebraucht. (Nachtrag zu „des unes-femmes“: Mir ist zu diesem Neologismus Lacans Ausdruck Y a d’ l’Un eingefallen, das ist übrigens kein französischer Jodelausruf, sondern schreibt sich komplettiert: Il y a de l’Un. Die kastrierte Lacansche Fassung Y a d’ l’Un versucht durch Buchstabenentzug anzuzeigen, daß es das Eins/das Eine zwar nicht gibt, daß wir aber darüber reden, von Ihm, vom Einen, von Der Vereinigung. Die Normalisierungspotenz englischer Übersetzungen auch bei enigmatischstem Lacanismus findet bei diesem Ausdruck wahrscheinlich einen ihrer Höhepunkte: „There is some One“. Da ist jemand. Natürlich muß man es anders betonen, und dann nimmt auch das Englische eine leicht mystische Schwingung an. Bezogen auf Sollers „des unes-femmes“ würde ich formulieren: abgesehen von den „Frauenereignissen“ ist eine Frau im Verhältnis zu einem Mann mindestens eine Frau zuviel. Das könnte man aber auch umgekehrt von Männern sagen.)

Und doch: auch wenn Die Frau, La Femme, nicht existiert, so existiert doch le FAM, zumindest in diesem Roman. FAM, das ist die Abkürzung für „Front d’Autonomie Matricielle“, also die Front der Autonomie der Matrix (also der Gebährmutter). Die Pointe im Französischen ist natürlich, daß FAM mit einem männlichen Artikel zu versehen ist, da front, im Gegensatz zum Deutschen, männlicher Natur ist. Was hat es mit dieser Front auf sich? Die FAM ist die französische Unterabteilung einer globalen radikal-feministischen Organisation, der WOMANN, wobei dieses Akrostichon für World Organisation for Men Annihilation and for a New Natality steht und was man übersetzen könnte mit Welt-Organisation für Männer-Aufhebung und für eine neue Natalität (Gebirtenziffer). Die WOMANN wiederum geht hervor aus dem SGIC, dem Sodom-Gomorra International Council. Diese drei Organisationen planen eine Art Weltrevolution; nicht nur Gleichberechtigung und formalbürokratische Aushängeschilder à la Qotenregelung sind im Spiel, sondern die Etablierung eines neuen Matriarchats ist der Name dieses Langzeitprogramms, wozu u.a. die etwas unlauteren Methoden einer quantitativen Umschichtung der Reproduktion in Richtung Frau gehören, aber auch die Filtrierung des kulturellen Gedächtnisses sowie der Kampf gegen alles jüdisch-christliche, vor allem aber gegen die katholische Kirche. Dieser Kulturkampf soll mit der größtmöglichen Anzahl von Männern, vor allem der fähigsten und einflußreichsten, geführt werden, in erster Linie aber mit homosexuellen Männern.

Wege und Ziele dieser Organisationen finden sich in einem geheimen Bericht, dem „Rapport“, der aber aus obengenannten Gründen nicht so exklusiv sein kann, daß nicht auch Männer davon in Kenntnis gesetzt würden. Einer dieser Mitwisser ist nun Will, der Erzähler, den die Konzernspitze der FAM, Bernadette und Kate, als möglichen Kollaborateur ins Auge fassen, nachdem sie davon ausgehen müssen, daß er auf nicht ganz korrekte Weise von der Existenz dieser Geheimorganisationen erfahren hat. Es heißt dort: „Kate ahnt, daß ich eine Kopie dieses Berichts habe... Sie würde gerne wissen, was ich damit zu tun gedenke...“ (51) Mich hat diese Konstellation - also die von Will gegenüber Kate - an die aus Poes Entwendetem Brief erinnert, wo der Minister D. sich, ohne daß die Königin etwas dagegen tun kann, in den Besitz eines Briefes gebracht hat, der nicht für ihn bestimmt war, mit dem er aber gleichwohl arbeiten kann, z.B. als Mittel der Erpressung. Wenn die Botschaft eines Briefes das ist, was ein Empfänger damit macht, dann kommt, wie Lacan gegen Ende seiner Schrift zu Poes Erzählung betont, ein Brief immer an seinen Bestimmungsort. Nicht ganz zufällig also kommt Lacans romaneskes Double Fals an dieser Stelle ins Spiel. Während in Poes Erzählung der Minister D. den kompromittierenden Brief, der zur Tarnung wie ein Handschuh links gemacht wurde, in unmittelbarer Nähe des Kamins ablegt, so sieht sich in Femmes der Erzähler genötigt, den chimneysweeper Fals, allerdings nicht in seiner Funktion als Shrink, aufzusuchen und ihn in Kenntnis des furchtbaren männerbedrohenden Berichts zu setzen. Im unmittelbaren Anschluß an das letzte Zitat heißt es weiter: „Als ich ihn [den Bericht] las, glaubte ich, ich sähe nicht recht... Ich wußte niemanden, dem ich mich hätte anvertrauen können... Schließlich war die Situation dermaßen verrückt, daß ich mich aufmachte, ihn Fals zu zeigen, dem größten Denker unserer Zeit... Er las den zwanzigsten Teil der vervielfältigten Blätter, er hob die Arme zum Himmel, er seufzte vier- oder fünfmal, er sah mich lange durch seine Brillengläser belustigt an, und dann: <Ich hatte es vorausgesagt!... Ich habe es immer gesagt!... Natürlich ist es Ihnen in die Hände gefallen!... Vergessen Sie das, mein Lieber... Sie sollten das nicht wissen... Glauben Sie mir... Es ist unabwendbar... Vergessen Sie... Sie würden dabei Ihre Haut verlieren...> Ein Jahr später übrigens stellte Fals praktisch jede Tätigkeit ein...“ (51f.)

Es ist interessant zu sehen, wie an dieser Stelle - durch das kleine Wort übrigens - ein Zusammenhang unterstellt wird zwischen der radikal-feministischen Ideologie und dem „Zusammenbruch“[14] des „größten Denkers unserer Zeit“, der, wie eine weitere Passage zeigt, an dieser Zeitwende wohl nicht ganz unschuldig ist. Fals ist oder war nämlich ihrer aller Lehrer, so auch der von Bernadette, Kopf der FAM. Von ihr heißt es: „Bernadette ist eines der sonderbarsten und abstoßendsten menschlichen Wesen, denen ich begegnet bin... Auch eines der faszinierendsten, auf eine Art... Es ist schwer, nicht angezogen zu werden von der an ihrem Grenzpunkt angelangten Perversität... An ihrem Abszeß der Fixierung... Bereich des Unheilbaren... Ich sehe sie vor mir in ihrem immer gleichen schwarzen Kleid... Darin versteckt mit ihrem stechenden Blick, ihrem Aussehen einer definitiv geheilten Kranken... Man sagt, daß einige Körper lügen wie sie atmen... Sie hingegen brachte dieses Wunder, diese Nummer eines hohen physiologischen Seiltanzes zustande, zu atmen wie man lügt... Schon ihre Anwesenheit war eine Lüge... Massiv... Zäh... Geronnen... Uneinnehmbar... Wie Boris als Mann, wir werden das später sehen... Wie Fals auch, auf eine bestimmte Art...“ (68)

Bernadette ist die Figur des weiblichen Teufels, und wie der Teufel hinkt auch sie. Körperliches Gebrechen gebiert Ungeheuer, dieses Argumentationsmuster kennt man, und es wird auch hier angewendet. Ein kleines satanisches Triptychon, Bernadette, Boris (der schon erwähnte absatzorientierte Erfolgsautor), Fals. Im Anschluß an das Portrait Bernadettes heißt es: „Ich habe bemerkt, daß, um spontan zu diesen negativen Hoch-Funktionen auserwählt zu sein, ein Zeichen an Mißbildung fast einklagbar ist... Bernadette hinkt stark... Boris hat ein Glasauge... Nervöser Muskelpfriem... Magisch... Das irritiert immer. Mangel, Narbe, Spur der Rückseite der Ausstattung... Mythendunst... Fals, der ihrer aller Herr ist oder der es zumindest lange gewesen ist, ist ein geheilter Stotterer... Ein Stotterer auf dem Weg zur paraplegischen Aphasie... Riten, verschiedene Schamanismen...“ (69) Bernadette ist der lebende Beweis dafür, daß die FAM/femme existiert, für Fals natürlich eine diffamierende Äußerung, die ihn aber, nicht umsonst ist man hier im Bereich des Schamanismus, mundtot macht. Die Aphasie als Preis für einen Fehler in der Theorie, daß die Frau doch existiert? - oder das sprachlose Staunen darüber, wozu die Per-version der Frau fähig ist, nämlich zur Wendung zum Vater (franz: père-version), zum Namen des Vaters, zur Gesetzgebung, zur Okkupation der symbolischen Ordnung? Die Fahnenflucht des Butts, wie in Günther Grass’ gleichnamigem Roman? Ende des Patriarchats?

Ich benutze an dieser Stelle den Namen Bernadette als link und lasse mich mit einer Textstelle aus einem Roman verbinden, den man ebenfalls als Schlüsselroman bezeichnen kann. Ich meine Les Samouraïs/Die Samourai, von Julia Kristeva, der Frau von Sollers. Das Buch erschien 1990 in Frankreich und erzählt als autofiction die Geschichte der Autorin seit ihrer Ankunft 1966 in Paris. Das Buch liest sich an manchen Stellen wie eine Parallelschrift zu Femmes, dasselbe Milieu, dasselbe Personal, dieselbe Thematik. Jacques Lacan firmiert dort unter dem Namen Maurice Lauzun, wozu mir das französische Wort losange eingefallen ist, das ist die Raute, der Rhombus. Wie Sie vielleicht wissen, schreibt Lacan mittels des mathematischen Symbols der Raute die Formel $ losange a an, was man lesen kann als „gespaltenes Subjekt im Verhältnis zu Objekt klein a“, Lacans Formel der Ursache des Objekt-Begehrens in bezug zum gespaltenen Subjekt.

Auch in diesem Roman also spielt eine Bernadette die Rolle einer Führerin revolutionärer Feministinnen, zu denen Olga, die weibliche Hauptperson des Romans, in der man Kristeva selbst wiedererkennen kann, eine sich mit der Zeit mehr und mehr abkühlende Beziehung unterhält. An einer Stelle heißt es von ihr: „Bernadette, die Führerin, die von sich sprach als <Schülerin und gleichwohl Erneuererin der Lehre von Lauzun>, erklärte, daß die Frauen nicht an einer vorgeblichen Kastration litten, sondern bedroht seien von einer totalen Liquidierung des Körpers und ihrer Person.“[15] Weder also ist die Anatomie Schicksal, noch der Mangel inhärent, sondern die Bedrohung kommt von außen, vom Mann, der die Frauen, so Bernadette, zwinge, die Mutter zu sein, die der Mann in jeder Frau wiederfindet. Konsequenz? Abschaffung des Vaters. Bernadette - ich befinde mich jetzt wieder auf der Textoberfläche von Femmes - fragt an einer Stelle: „Aber warum brauchen sie [die Frauen] einen Vater?“ (332) Eben, sie brauchen keinen, und deshalb kommt es zu einer Gründung einer neuen Gesellschaft, der ANDRIAH, der - ich übersetze - Bundesversammlung für die Entwicklung und Anerkennung der künstlichen Befruchtung des Menschen“ (332). Der Mann ist überflüssig, es sei denn, er wird selbst zur Frau.

Ich hätte diesem Vortrag, im Anklang an einen Romantitel von James Joyce, den Titel geben können: Portrait des Psychoanalytikers als alter Mann. Lacan, 1901 geboren, 1981 gestorben, wird auch als sein Romandouble Fals nicht jünger gemacht, Sollers’ Würdigung hält sich konsequent im Endstadium dieses Lebens auf, wozu auch schrullige Anekdoten, Sonderbarkeiten und Unwägbarkeiten gehören. Der Autor bezieht Position, aber er urteilt nicht ab. Ich möchte Ihnen nun einen längeren Abschnitt aus Femmes vorlesen, ich glaube, er ist ganz amüsant. Der Erzähler erfährt von seiner Haßliebe Kate, die ihn aufsucht, daß Fals gestorben ist. Im Beisein Kates gehen ihm Erinnerungen an Fals durch den Kopf, präsentiert in einer Art innerem Monolog:

„Es klingelt. Ich gehe leise zur Tür. Ich schaue durch das Schloß. Es ist Kate. „Hast du den Hörer abgenommen? Ich muß mit dir reden.“ Sie tritt ein wie ein Hausdurchsuchungsbefehl. Sie schaut sich um und saugt alles um sich herum ein. Keine Frau? Nein. Nun?

  „Fals ist gestorben.“

  „Ach... schön.“

  „Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?“

  „Bei seinem Alter... So, wie es um ihn stand... Es ist eher eine Erlösung, oder?“

  „Ich dachte, daß ihr vertrauter miteinander wart...“

  Sie setzt sich auf die Couch. Sehr dekolletiert. Beine und Arme frei. Etwas verkrampft. Bedrückt. Erregt? Ja. Der Tod erregt sie immer... Bringt sie zum Blühen wie die Blumen. Das ist ihr unsichtbares Serum. Ihr Vitamin der Finsternis. Fals stirbt, Kate läuft zu mir, um es mir zu melden, zu sehen, wie ich reagiere, ob ich einen Moment der inneren Unruhe zeige, in den sie hineingleiten kann...

  „Nun, er hatte Krebs.“

  „Wo?“

  „Unterleibsgeschwulst.“

  „Niemand wußte es?“

  „Fast niemand.“

  „Hat er gelitten?“

  „Wahrscheinlich sehr. Aber es ist nichts durchgesickert.“

  Einmal mehr die Atmosphäre von Geheimnis, von Inszenierung... Lüge überall, und in allem...

  „Mein Lieber“, sagt Kate lächelnd, „du schreibst mir einen Artikel.“

  „Glaubst du?“

  „Aber ja. Du sprichst von seinem Einfluß in den Vereinigten Staaten. Über eure gemeinsame Reise, die Geschichten, die sich dabei abgespielt haben... Ich brauche die Perspektive eines Amerikaners.“

  „Aber du weißt ganz genau, daß nichts passiert ist, daß das Mißverständnis ein totales war...“

  „Sag was du willst... Ich brauche es am späten Nachmittag. Ich bitte dich.“

  Sie lächelt mich gewaltig an. Die omnipotente Aktualität... Nekro... Das „kalte Fleisch“, wie man in den Redaktionen sagt, wenn man von Nachrufen spricht... Ein Toter, eine Rede... Der arme tote, streng überwachte Fals, wie jeder andere auch... Mehr als die anderen... Der zuviel wußte... Zuviele Einzelheiten über die Tapisserie... Hat er mit irgend jemandem über unsere letzte Unterhaltung gesprochen? Als ich ihn um seine Meinung über Den Bericht bat? Er war schon sehr müde, gewissermaßen abwesend, Verabredungen und Termine durcheinanderbringend... Praktisch kindisch, mit Geistesblitzen... „Fals? Es geht ihm sehr gut.“... Das war jedenfalls die unumstößliche Parole des Klans und der Familie... Es mußte ihm gut gehen... Hat er darüber nicht mit Kate gesprochen, die er von Zeit zu Zeit sah? „Sie ist eine Idiotin.“ Aber er sagte sowas über wen auch immer zu jeder und zu jedem. Das war sein Spiel. Banal. Teilen, um zu herrschen, entfremden, Furcht einflößen und verhätscheln... Die Reise nach New York? Reden wir darüber! Ein Alptraum... Kaum besuchte Vorträge vor einem ironischen und feindseligen Publikum; stotternd übrigens, mit den gewohnten Fundstücken... Szenen im Hotel, die schlechte Laune seiner Geliebten Nr. 1, Armande, seine „Schülerin“, wie er zu sagen pflegte... Häßlich, beißend, aggressiv, ohne rechten Grund entschieden unangenehm... Furie des Unterbezirks... Aus dem Fenster hinauszuwerfen... Fals akzeptierte alles an ihr, ließ nicht davon ab, ihr Geschenke zu machen, lag psychisch ihr zu Füßen und dann, plötzlich, zerbrach er das Tischgeschirr... Er mußte das lieben... Fundamentaler Masochist... Eines Nachts, als wir zusammen waren...

  „Einverstanden?“

  Kate hat sich auf den Polstern umgedreht... Die Beine sehr übereinandergeschlagen. Wirklich sehr. Sie steht auf. Sie kommt auf mich zu, wie um mir Aufwiedersehen zu sagen. Sie umarmt mich und sucht meinen Mund. Findet ihn. Wirft ihre Zunge hinein. Ich befreie mich so sanft wie möglich. Sie würde sich gerne bespringen lassen zum Begräbnishintergrund, das ist klar... Das scheint mir nicht wünschenswert... Ich dränge sie zum Gang hin... „Einverstanden, einverstanden.“...

  Ja, eine Nacht im November... Ich hatte Fals besucht wegen einer Reise, die wir zusammen, diesmal nach Indien, machen sollten. Ich hatte mich mehr oder weniger heimlich um Kontakte gekümmert... Er hatte gefordert, daß Armande mitkommt... Gut, nehmen wir Armande mit... Wir sprechen ein wenig... Wieder einmal über den Anfang der Genesis, ich erinnere mich... „Ich würde gerne“, sagt Fals zu mir, „die Dicke des Mangels bemerkbar machen.“... Er wiederholte das, wie ein Träumer, in seinem Sessel: „Die Dicke... die Dicke...“ Sein Schreibtisch war bedeckt mit Notizen, mathematischen Zeichnungen... Er sah aus wie ein alter, sehr erschöpfter und sehr weiser Doge, mit Kardinalswürde, ausgestreckt in seine Ruine, gemalt von einem vom goldenen und marmornen Pessimismus eines Rembrandt revidierten Titian... Abwesender Blick, aber von Zeit zu Zeit stechend und brennend durch seine Brille hindurch... Armande sollte im Restaurant auf uns stoßen... Wir regeln die Empfänge in den Botschaften, die in den Universitäten, die Kontakte mit der dortigen Presse, die wenig vertraut ist mit seinen Arbeiten... Wir gehen, wir fangen an zu essen... Eine Stunde geht vorbei... Keine Armande... Ich fühle, daß Fals unruhig ist... Er geht zweimal zum Telephon... Kommt wieder... Geht noch mal... Kommt wieder... Jedes Mal etwas schwerfälliger, zusammengepresster, ermüdeter... Zugleich regt er sich mehr und mehr auf... Er geht nochmal zum Telephon... Keine Antwort? Nein. Und trotzdem, sie muß zu Hause sein. Es ist nicht weit. Er bezahlt die Rechnung. Wir gehen. Fals zieht seinen Schlüsselbund hervor, ungefähr zehn Schlüssel... Er mochte es, Frauen in nahe von ihm gelegenen Wohnungen unterzubringen... Wieviele? Drei? Vier? Jedenfalls war zu der Zeit Armande die Prinzipalin, sie hatte wohl das Monopol der Abende... Sie empfing ihn zum Abendessen nach seinen nachmittäglichen Sitzungen... Er steigt die Treppe, drei Stufen überspringend, mit einer überraschenden Energie empor, auf einmal, ein dritter Atem... Vielleicht fühlt sie sich ja unwohl, oder sie ist von einem ihrer wirklich verrückt gewordenen Patienten angegriffen worden... Weil sie ja bestimmt da ist; weil sie ja nicht zum Telephon geht; weil ja kein Licht bei ihr brennt... Ich stelle es mir schon vor: der Schizophrene bei der Tat... Revolver, Messer, Blutlache... Fals denkt auch dran... Er probiert am Schloß herum... Da haben wir es, es ist von innen blockiert... Das ist das Drama... Wir steigen wieder hinunter... Ich gehe zum Telephon, lasse läuten, keine Antwort... Auf ihrem Stockwerk ist alles dunkel... Im Hof fangen wir beide an zu rufen... Der Blutandrang bei Fals ist unaufhaltsam, ich fürchte, daß er mir jetzt noch in die Hände klatscht, ich sehe schon den riesigen Skandal, ich schlage ihm vor, daß ich gehe... „Nein! Bleiben Sie!...“ Er ist dreiundsiebzig Jahre alt... „Armande!“ ruft er... „Armande!... Armande!...“ Ich habe eine Idee: ich rufe sehr laut: „Wir müssen die Polizei rufen!...“ Das Wort POLIZEI hallt schön nach... POLIZEI!... Magischer Effekt... Die Fenster bei Armande werden hell... Ein Mann in Hemdsärmeln ist kurz hinter der Fensteröffnung da oben zu sehen... Der Mörder? „Da oben ist einer“, sage ich zu Fals, der ihn nicht gesehen zu haben scheint... „Armande!“ heult er... „Armande!...“ Das muß entsetzlich aussehen, der Typ muß sie erwürgt haben... Vielleicht aufgeschlitzt... Um sich an Fals zu rächen, der jede Woche mindestens zehn Briefe mit Morddrohungen erhält... Die Verrückten... Die Irren aller Ränder... „Armande!...“ Diesmal öffnet sich ein Fenster mit einem Krach... Sie ist es... Die häßliche Person... Sie stützt sich auf dem Balkon auf... Und jetzt schreit sie... „Ja was ist denn das für ein Lärm! Ihr seid verrückt!...“ Auf einmal verstehe ich... Ich schlage Fals nochmal vor zu verschwinden... „Nein, nein, kommen Sie mit mir hoch!...“ Er läuft! Er fliegt! Verflixter Alter! Wir erreichen den Treppenflur. Armande öffnet uns die Tür. Sie ist sehr ruhig. Auf dem Sofa, ein schwarzes Köfferchen auf den Knien, sitzt da ein Typ aus der Schule von Fals, vollkommen gelassen. Labiche! Feydeau! Ein von Armande aus allen Stücken zusammengesetztes Spektakel! Sie hat beschlossen, dem Alten eine Lektion zu erteilen! Sie scheint eine dicke Summe nötig zu haben, und das schnell und ohne Diskussion... Mit Panzerfaust also! Vor mir! Und sie verliert keine Minute, sie greift an... Sie macht eine Szene... Nicht zu parierender Kniff... Die beste Verteidigung ist Angriff... Jetzt schreit sie... Daß sie bei einem anderen Restaurant angerufen hat... Daß sie uns überall gesucht hat... Daß sie jedenfalls nicht einen solchen Krach in ihrem Hof zuläßt... Daß, selbst wenn sie tot gewesen wäre, man sie mit einem solchen Radau nicht wiedererweckt hätte... Daß wir Kinder sind... Fals sitzt niedergeschlagen in einem Schaukelstuhl, ziegelsteinrot, atemlos, apoplektisch... Der Typ, Sorte Schönling vom brasilianischen Karneval, spielt seine Rolle und redet davon, einen Zug zu nehmen... Ich versuche abzulenken, ich bitte Armande um einen Whisky... Ich weiß nicht, was ich tun soll... Vielleicht schlagen sie den Alten zusammen, wenn ich gegangen bin, um ihm sein Geld zu klauen... Ihn zu zwingen, einen Scheck zu unterzeichnen... Aber mir kommt ein Zweifel... Wenn er das mag? Wenn das zu ihrem erotischen Zirkus gehört? Vielleicht dient der Brasilianer als Hengst für den Voyeurismus des Alten? Daß man ihm einfach so „Überraschungen“ bereitet? Armande, stehend, zitternd, scheinbar wütend, mehr als jemals das dumme schwatzhafte Weib, fährt fort, Fals zu beleidigen... Welcher sich schließlich mühsam erhebt, mich am Arm nimmt, mich bis zur Tür begleitet... Ich horche trotzdem noch einen Moment an der Treppe... Nichts... Sie schweigen... Merkwürdiges Theater...

  Am Tag darauf erfahre ich, daß Fals, ohne mit mir zu sprechen, die Reise nach Indien abgesagt hat... Und dann, wieder einen Tag später, treffe ich ihn auf dem Bürgersteig vor der Wohnung von Armande... „Ich gehe rauf“, sagt er mir, abgekämpft, aber sicher, daß ich im Bilde bin... Wie um sich zu entschuldigen... Wo würde er hingehen? Zur Suppe... Zu seinen Pantoffeln... Zum Schalter der Célimène... Zum großen Elend der Streicheleinheiten und Schleckereien der Alten...

  Wir haben uns nicht wiedergesehen... Oder kaum... Ich bin ohne ihn nach Indien gegangen... Ich habe in Kalkutta immerhin von ihm gesprochen... In Bombay... Von seiner sehr eigentümlichen Auffassung des Diskurses und des Sprechens... In bezug auf deren Sachen da unten... Das Sanskrit...

  Und jetzt ist er tot. Sic transit... Ruhm hatte er, um abzutreten... Viel... Nach langen Jahren des Kampfes meistens einsam... Wenige verstanden das, was er sagte... Er hatte an die Substanz gehende Geschichten mit seinen Kollegen, seinen Schülern, den Institutionen, den Zeitungen... Es gab nichts, wessen man ihn nicht ein wenig beschuldigte... Scharlatanerie, passive Bestechung, Ausnutzung der Übertragung, Zauberei, Drogen, Erpressungen, Selbstmorde... Man muß sagen, daß sein Betrieb diskutiert wurde... Auf jeden Fall interessant zu beobachten... Höchst romanesk... Fals war eine Art Genie, zugegeben, aber auch wirklich ein kleiner Gangster... Genötigt, ein Gangster zu werden, auf Grund der Verfolgung, deren Gegenstand er war? Das ist möglich... Wie soll man das wissen? Das Leben ist vertrackt... Er hat absolute Ergebenheit erweckt, unsühnbaren Haß... Das ist eher ein gutes Zeichen... Er hat das zerbrochen oder deformiert, was es wahrscheinlich sowieso sein sollte... Er hat immer viel Geld gehabt, das ist das Wesentliche. Konto in der Schweiz... Sein Sprechzimmer war immer besetzt... Sehr teuer... Schnellstens... Das war es wohl, was man ihm am meisten vorwarf, das Tempo... Das höllische Fließband... Ein normaler zugelassener, organisierter Psychoanalytiker hält 45minütige Sitzungen ab... Was auch immer passiert... Der Patient oder die Patientin kommt, legt sich hin, erzählt die Träume etc. Eine dreiviertel Stunde, soviel Zeit muß sein... Die Unbewußte Uhr... Eine Viertelstunde mehr oder weniger hinuntergewürgter Störung oder Gewalt in bezug auf den Analytiker; eine Viertelstunde am Kern der Sache, wovon drei Minuten wesentlich sind, die sich in dreißig Sekunden abspielen; eine Viertelstunde Abschweifung und tack! bis zum nächsten Mal, der Nächste bitte... Fals nun hatte all das umgeworfen... Er fand, daß das schnurrte, summte... Daß das zum Einschlafen war, ohne daß es etwas brachte... Daß das die Verneinung der Entdeckung war... Ihr Gebrauch als abgedämpfter Trick... Daß das die „Virulenz“ der Operation abschwächte, wie seine Schüler sagten... Virulenz, Virulenz... Das Leben als Virus... Wie dem auch sei, er hat es gewagt... Drei Minuten... Guten Tag, auf Wiedersehen... Bezahlen sie mich... Wann sehe ich sie wieder? Die Internationale hat nachgeforscht... Es gab Klatsch, die verschwiegenen Hintergründe der Affäre... Er wurde ausgeschlossen... Er hat daraus ein ganzes Epos gemacht... Er hat Schulen gegründet... Bewegungen... Kartelle... Vereinigungen... Die ihm jedesmal auf die Hände schlugen... Das war ihm egal, er machte weiter... Formal ähnelte das sehr den kirchlichen Auseinandersetzungen, Orthodoxie, Reform, Gegenreform und, mehr noch, den periodischen Explosionen des marxistischen und kommunistischen Zugs... Paul Fals konnte als neuer Trotzki gelten, der entwaffnete Prophet, der Prophet im Exil, der Prophet der von der Zentrale verfälschten Wahrheit... Der aus der Synagoge verjagte Spinoza... Der Mythos ging von ganz alleine, Fals rühmte sich sogar als Häretiker, der Recht haben wird... Halladsch... Luther... Calvin... Schabbathai Z’wi... Jacob Frank... Die weiteren schenke ich mir... Das war eine Abrechnung bis aufs Messer zwischen der Freudianischen Kirche und ihm... Er zählte vor allem auf seine „Lehre“... „Ja, ich weiß, dieses Wort bringt sie zum Lachen“, sagte er mir oft trocken... Die „Vorträge“... Ah, die Vorträge!... Man kann sagen, daß Fals damit ein neues Genre begründet hat... Feierlich, hermetisch, logisch, apokalyptisch, komisch... Von großer Kunst... Gebet, Abschlußformel, Widerhall... Man redete heimlich, still und leise darüber, hinter den Kulissen; man speiste abseits zusammen... Wie eher kultivierte Leute, weil es ja niemanden mehr gibt... Er hatte übrigens keinen sehr guten Geschmack, außer für Antiquitäten, die er zeitweilig sehr teuer kaufte... Seine Frauen unterhielt er gut, glaube ich... Auf jeden Fall verdankt die FAM ihm viel... Die meisten von ihnen hat er ausgebildet, direkt oder indirekt... Bernadette... Dora... Kate... Mit ihm rückgekoppelt hat die Bewegung ihre ganze metaphysische Dimension erhalten... Ihre behindernden Initiationen, ihre Bullenseite, Informationsnetze... Wie in der kommunistischen Religion... Oder in den parallelen Sekten, das kommt aufs gleiche hinaus... Die Psychoanalyse, man muß es wohl sagen, wenn sie auf ein schon tendenzielles Polizeisystem gestützt ist, birgt auch die Möglichkeit einer bemerkenswerten schwebenden Datenbank über die Bevölkerung, die zählt, oder die möglicherweise eines Tages zählen wird... Über die Schnittpunkte, die Fehler, die Seltsamkeiten, die Bruchstellen, die Manien... Fals hielt die Hand über einige Bankiers... Zwei oder drei Minister, welchen Bereichs auch immer... Einen Erzbischof... Zwei Mitglieder des Zentralkomitees der Partei... Den Direktor des Amts für Gegenspionage... Den französischen Hauptvertreter der revolutionären Brigaden... Schlagerstars... Leute vom Kino... „Was für ein Roman“, sagte ich manchmal zu ihm... „Mein Lieber, einzig Die Wahrheit zählt für mich“, antwortete er mir imposant. Und das war wahr. Er liebte diesen Satz eines Philosophen: „Ich sage immer die Wahrheit. Nicht die ganze, weil die ganze zu sagen man nie erreicht... Die Worte fehlen. Genau wegen dieser Unmöglichkeit grenzt die Wahrheit ans Reale.“ Über diese Formulierung war ich mit ihm nicht einverstanden. Eines Tages habe ich es ihm gesagt: „Der Roman, und er allein, sagt die Wahrheit... Die ganze Wahrheit... Anderes als die Wahrheit, und dennoch nichts als die Wahrheit... Die Worte fehlen ihm nicht... Im Gegenteil... Deshalb bevorzugt man, ihn für irreal zu halten, während er doch das Reale selbst ist... Das Nervensystem der Realitäten... Übrigens, wie doch einer sagte, den Sie gut kennen: ,Die Wahrheit ist wie Fiktion strukturiert’...“ Er lächelte. „Nun gut, weil Sie es sind, mein Lieber, aber hören Sie auf, lassen Sie mich in Ruhe. Schreiben Sie... Schreiben Sie... Das ist alles.“ Er hatte Recht. Man schreibt ein literarisches Werk, oder man schreibt keines. Der ganze Rest ist Blabla, und er sagte die Wahrheit über die Zirkulation des Blabla... Delirien, Erfindungen, Illusionen, Krümmungen der Lüge im Band der Existenz... Merkwürdig übrigens, daß, indem man einfach das Blabla manipuliert, dadurch daß man es als Rohstoff benutzt, Schweigen, Assoziationen, Interpretationen, Übertragung, Widerstände, Lapsus, Vergessen, Traumerzählen, man dahin gelangt, so gründlich den Körper mittels des sexuellen Dings, des Körpertumors, in Frage zu stellen... Phantastisch, wie es nur davon spricht... Schwangerschaft... Wie nochmal? Der Wiener Walzer... Von Fals transponiert in echten Java... Salsa, von wann an? Rock, Reggae, Funk? Man hält den Fortschritt der Auflösung auf der Suche nach sich selbst nicht auf... Am Anfang war Fals eher formstreng... Aristoteles... Heidegger... Die Linguistik... Die Topologie... Aber ich habe ihn sich nach und nach in eine schwarze Leidenschaft eingraben sehen, vermehrter Teer, sein Auge spiegelte zunehmend diese kompakte Masse. Immer komisch, meistens, und sogar immer komischer auf eine beunruhigende Art, aber zutiefst verbraucht, niedergeschlagen... Vom ständigen Spekulieren mit der Kastration... Mit der unartikulierten Frigidität auf der anderen Seite der Ausstattung... Am Geld klebend, an der unmittelbaren Macht... Argwöhnisch, immer ungeduldiger, empfindlich... Vielleicht litt er schon sehr... Manchmal fast seinen Sekretär verprügelnd... Mit unerhörten Zornesausbrüchen... Seine Nächsten beleidigend... Eines abends traf ich zwei seiner Schüler... Verheerend... Hochtrabend vor Eitelkeit, verschlossen, sich nur über Kennworte verständigend, besessen von kleinen Details der Clique, lächerlich, ohne es zu merken... All dem hat was wohl gefehlt? Musik? Ja, ganz einfach. Ganz simpel. Fals wollte einen Stich nach dem anderen machen, um das festzustellen reicht es aus, seinen Frauen einen Besuch abzustatten... Hölzern, mager, inkarnierte Bosheit im Kern des Auges... Hat er sie verrrückt gemacht? Wahrscheinlich... Genauer, hat er den Krebs des Wahnsinns in der Tiefe enthüllt... Von dem er nicht sicher war, ja schließlich überhaupt nicht sicher war, ob man daran rühren solle... Dort kratzen... „Ästhetisch! ästhetisch!“, brummte Fals in mein Ohr... „Sie sind zu sehr beim Lustprinzip!*“ Vielleicht... Und warum nicht... Ein wenig Verzweiflung noch dazu, noch ein Schritt, aber ja... Ich denke an den mit der Psy-Lüge gewürzten Wahnsinn von Bernadette, ihre Haßflamme... Fals ist nicht verantwortlich? Natürlich nicht. Ich erinnere mich an das, was mir Werth mitgeteilt hat, der in einem seiner neurotischen Momente das Sprechzimmer von Fals ein wenig zu frequentieren pflegte: „Es ist besser, sich vor den Autos in acht zu nehmen.“... Er, der genau von einem Auto überfahren wurde... „Während ich ihm mein Abenteuer erzählte“, fügte er hinzu, „ist mir plötzlich klar geworden, daß ich ein altes Arschloch bin, das dabei ist, mit einem alten Knacker zu schwätzen.“... Luzide Sätze...

Insgesamt hat mich Fals eher gut behandelt... Als ob er geahnt hätte, daß ich eines Tages sprechen würde... Potentieller Schriftsteller... Gefährlich... Er hat wohl versucht, mich ein oder zwei Mal einzuschüchtern... Das gehörte zum Spiel... Er hat auch versucht, Deborah zu verführen... Aber schließlich... Ich werde Kate schnell ihren Artikel schreiben, weil sie darauf besteht... Oberflächlich, versteht sich... Mephisto... Moderato... Glissando...“

Fals, das haben wir gesehen, ist ein Pseudonym. Dahinter oder davor gibt es jemanden, den man Lacan nennen kann.

Fals ist aber auch die Wünschelrute, der Spürhund, das Symptom, der Anlaß eines Untersuchungsprozesses, wie es in dem Zitat aus Radiophonie hieß.

Das Symptom als Köder: das muß man schlucken, um weiterzukommen. Danach kann aber eigentlich auch nichts mehr schief gehen. Das ist die Logik des re-entries, die auch bei Analysen und Schlüsselromanen stattfindet: sinnvoll sind die Dinge erst, wenn man sie gewissermaßen das zweite Mal in der Hand hält.

Aber hat das mit Wahrheit zu tun? Mit dem Ein-für-allemal?

Sollers schätzte Lacan besonders als Redner, wegen der Unvorhersehbarkeit dessen, was da kam, in den Seminaren. Eher gleichgültig war ihm die „Lehre“ (l’enseignement), die analytische Erfahrung, all das, was sich anschickte, als Diskurs auf Menschenfang zu gehen. Eine anfängliche Verführung, die dann in Dogmatik umschlägt, und sei es nur bei denen, die sich Lacanianer nennen: Eine Aphorismensammlung Lacan’scher Highlights könnte das wohl bestätigen. Diese Sprüche hängen alle irgendwie zusammen, bilden eine Kette, und wenn es eine borromäische ist, würde es genügen, einen Spruch, einen Ring herauszulösen, daß auch alle anderen frei sind und ihren Sinn verlören. Aber hat das Lacan nicht selber schon besorgt, indem er auf den nie einholbaren Akt des Sprechens aufmerksam machte: „Qu’on dise (daß man sagt) reste oublié (verborgener Rest/bleibt verborgen) derrière ce qui se dit (hinter dem, was sich sagt) dans ce qui s’entend (in dem, was gehört wird)“[16]. Das ist aber genau der Rest, der Rückstand, den nicht zu produzieren der Sollers angetreten ist: verbrennen ohne Rest, Ding der Unmöglichkeit.

Ich möchte Ihnen zuletzt eine weitere Seite aus Femmes vorlesen, Sie wird Ihnen die beruhigende Gewißheit mit auf den Weg geben, daß auch nach Lacan das Ding‑ machen Sie damit, was Sie wollen‑ so unangetastet ist wie zuvor.

„Woher kam diese Neigung bei Fals? [Es geht in diesem Zusammenhang um Bestattungen, Begräbnisrituale usw.]... Vom unaufhörlichen Besuch des analytischen Friedhofs, glaube ich... Latente Hypnose... Langgestreckter Dämmer... Verhängnisvolles Hin und her Sofa-Sessel... Sie schaffen es nicht mehr, wirklich aufzuwachen... Zuviel Träume... Zuviel unterirdische Beschwörungen... Zuviel Zustände im Halb-Koma... Zuviel Geister... Sehen Sie den Schreibtisch von Freud, so wie er 1939 [sic!], kurz vor dem Einmarsch der Nazis in Wien, aufgenommen wurde... Man könnte meinen die Höhle einer Hellseherin, Kissen, Vitrinen, Kinderportraits, gestickte Teppiche, Statuetten in allen Ecken... Archäologische Leidenschaft... Ausgrabungen... Miasmen von der Kehrseite der Ausstattung... Beschwörende Sinterungen... Theben... Tempel-Besessenheit... Stoisches Trauerspiel seines Gesichts am Ende... Und daß das zu dir aufsteigt von den negativen Wänden der benebelten Wahrnehmung; und daß dir das zuflüstert aus den Falten des brüchigen Vorhangs... Ich habe mit der Zeit die plötzlichen Zornesaubrüche von Fals besser verstanden... Seine glühenden, aphatischen Explosionen... Seine Art, manchmal alle Leute rauszuschmeißen... Seine Patienten zusammenzuschlagen... An den kleinen runden Tischen Fußtritte zu verteilen, zum großen Schrecken seiner Haushälterin... Oder, im Gegenteil, seine niedergeschlagene, stumpfsinnige Stummheit... Er pendelte von einem Pol zum anderen... Mit der Wut desjenigen, der sich, obwohl sehr teuer bezahlt, dort fixiert fühlt, dort eingesperrt für die Zeremonie der Lemuren; dort, in seinem Sessel, gefickt von dem ganzen gewitzten Gewicht des menschlichen Auswurfs... Er hielt sich schadlos mit seinen Vorträgen... Seinen Messen... Das ganze verdrängte Religiöse tauchte dort auf... „Fals? Sie scherzen, ein großer Rationalist“, sagten seine engsten Schüler, für die ein Vater niemals zu beschlagen ist. „Ein ranghoher Eingeweihter, ein ,Schamane’“, flüsterten die anderen mit einer pythagoreischen Kennermiene... Schließlich aber was? Ein armer Mann wie jeder andere auch, niedergedrückt von der nachtwandelnden Wiederholung; gezwungen, immer wieder die gleichen Forderungen, Erregungen, Dummheiten, Ausrutscher, falschen Enthüllungen, Interpretationen, Verwirrungen zu hören... Ja, wie sehr haben sie sich wohl alle gelangweilt, sowohl Werth, als auch Lutz; wie sehr haben sie wohl alle den Schein gewahrt, um nicht ihre Meinung zu ändern, zu bekennen! Was bekennen? daß selbst da, wo sie ihr Glück gemacht hatten; an diesem so sehr von den anderen begehrten Ort, es nichts gab... Nichts zu sehen; nichts zu verstehen...“ (249f.)



[1] Philippe Forest, Philippe Sollers, Paris 1992, S. 19 (Übers. vom Verf.).

[2] Jacques Lacan, Le Seminaire livre XX, Encore, Paris 1975, S. 37.

[3] zit. in: Philippe Forest, Histoire de Tel Quel, Paris 1995, S. 476. (Übers. vom Verf.)

[4] Philippe Sollers, Femmes, Paris 1983 (Folio 1985), zitiert wird nach der Taschenbuchausgabe.

[5] Michel Houellebecq, Les particules élémentaires, Paris 1998, S. 228-230.

[6] Ebd., S. 241ff.

[7] Philippe Sollers, Portrait des Spielers, Heidelberg 1992, S. 77f. (Übersetzung von Hans Thill)

[8] Philippe Sollers, Le Rire de Rome. Paris 1992, S. 55.

[9] Auf S. 340 des Romans heißt es in bezug auf die von Boris erwartete Publikumsreaktion auf seinen Roman: „A faire sangloter les chaumières!“, also: eine rührende Geschichte. „Dans les chaumières“ ist aber auch ein Ausdruck zur Bezeichnung eines Volksmilieus im pejorativen Sinn: so übersetzt man etwa :“Dans les chaumières, on est plutôt d’avis que...“ mit: „Unter deutschen [!] Dächern denkt man eher, daß...“

[10] Peter Sloterdijk, Sphären I Blasen, Frankfurt a.M. 1998, S. 561. An einer anderen Stelle dieses Buches heißt es übrigens: „Lacans genialische Ausführungen über la Chose - in deren Konzept eine Obertonreihe anklingt, die von Meister Eckarts Gottesbegriff bis zum kantischen Ding an sich reicht - sind von unauflöslichen Mehrdeutigkeiten zerklüftet, so daß es unmöglich bleibt, aus ihnen trennscharf herauszufiltern, was auf eine Analyse der nobjektalen Kommunionen zusteuert und was auf die erbauliche, psychoanalytisch und psychohygienisch erneuerte paulinische Lehre vom begehren-ermöglichenden Verbot abzielt.“ (477)

[11] Sollers 1992, S. 174.

[12] Jacques Lacan, Radiophonie. In: Scilicet 2/3. Paris 1970, S. 55-103 (80).

[13] Sollers 1992, S. 55.

[14] Femmes S. 26: „l’effondrement de Fals“. Das ist die erste Stelle im Roman, bei der Fals erwähnt wird. Der Grundtenor, Senilität, durchzieht das ganze Portrait.

[15] Julia Kristeva, Les Samouraïs, Paris 1990. (ich zitiere in meiner Übers. aus der Taschenbuchausgabe (1992), S. 131f.

[16] J. Lacan, L’Étourdit. In: scilicet 4 (1973), S. 5. (Übersetzung vom Verfasser)

Dieter Wenk